Tages-Anzeiger vom 03.06.2019

Quelle/Auszug: Tages-Anzeiger, Stefan Aerni

Die Gefahren, die von den beliebten Körperverzierungen ausgehen,werden meist unterschätzt. Jetzt haben Forscher beobachtet, dass tätowierte Haut auch schlechter schwitzt.

Erst jüngst haben US-amerikanische Wissenschaftler in einer Studie herausgefunden, dass tätowierte Körperstellen die Schweissbildung behindern, wie das Fachmagazin «Fit for Life» diesen Frühling berichtete. Trifft es tatsächlich zu, dass tätowierte Haut die Schweissproduktion behindert, wäre das vor allem für Sportler mit grossflächigen Tattoos schlecht: Sie könnten ihren Körper nur ungenügend kühlen und müssten mit Leistungseinbussen oder gar gesundheitlichen Komplikationen rechnen. Zwar hat die zitierte US-Studie wegen der geringen Zahl von Probanden nur eine begrenzte Aussagekraft. Dennoch ist sie für Schweizer Fachleute plausibel.

Felix Bertram, Chefarzt der Skinmed Kliniken für Dermatologie und Plastische Chirurgie in Lenzburg und Aarau: «Die Entzündungs- und Narbenreaktion in der tätowierten Hautschicht kann die Fähigkeit zu schwitzen sehr wohl beeinflussen.» Allerdings, gibt Bertram zu bedenken, müsste jemand schätzungsweise 70 bis 90 Prozent seiner Körperoberfläche tätowiert haben, damit es in Sachen Temperaturregulation kritisch würde. «Bei normal grossen oder kleineren Tattoos kann nach meinem Verständnis die nicht-tätowierte Hautfläche das Defizit mühelos ausgleichen.»

Problematischer als das verminderte Schwitzen findet Bertram bei Tätowierungen ohnehin, was mit der eingespritzten Farbe im Körper passiert.

 

Darauf sollten Sie achten, wenn Sie Tattoos haben oder stechen lassen möchten:

Wer bereits ein Tattoo hat oder sich eines wünscht, sollte folgende Punkte beachten:

  • Sonnenschutz: Tattoos werden gerne im Sommer zur Schau gestellt. Doch Vorsicht: Tätowierte Haut reagiert empfindlicher auf die Sonne als normale Haut. Sie muss deshalb noch konsequenter geschützt werden: am besten mit einer guten Sonnencreme (min- destens Schutzfaktor 30) oder aber mit Kleidung. Besonders anfällig ist tätowierte Haut sechs bis acht Wochen nach dem Stechen. Dann ist das Risiko eines Sonnenbrands nochmals höher: auch ist gerade in dieser Phase die Allergie- und Infektionsgefahr am grössten.
  • Qualitätssicherung: Wer sich ein Tattoo stechen lassen möchte, sollte einen registrierten Berufstätowierer oder -tätowiererin aufsuchen. Sie arbeiten nach dem «Hygiene Quality Label». Dieses Qualitätssiegel basiert auf den Richtlinien, die vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen empfohlen werden. Damit ist gewährleistet, dass der Tätowierer unter hygienisch einwandfreien Bedingungen arbeitet und so wenigstens eine nur sehr geringe Infektionsgefahr besteht. Das Problem: Die meisten der hierzulande aktiven Tätowierer verfügen über kein solches Qualitätslabel.
  • Henna-Tattoos: Die Körperbemalung mit Farbe aus Blättern der Hennapflanze ist keine gute Alternative. Dabei kommt es noch öfter zu allergischen Reaktionen als bei gestochenen Tattoos.


Den ganzen Artikel rund um die Auswirkung von Tattoos auf die Haut können Abonnenten des Tagesanzeigers hier online nachlesen.

Das PDF des Tattoo-Artikels finden Sie hier.