Für Sie vom 20. Mai 2019

Im aktuellen Artikel der “Für Sie” gibt Dr. Felix Bertram im Interview Tipps, was gegen Pickel und Akne im Alter hilft.
Ein Auszug (© Für Sie vom 20. 5. 2019):

Wenn die Haut im Alter verrückt spielt

Rötungen, Pickel und Pusteln – während der Pubertät hatte sie fast jeder. Doch bei vielen Frauen blüht die Haut ab 40 immer noch oder schon wieder. Dann fühlen sie sich oft allein mit ihrem Problem und empfinden ihr unreines Hautbild als sehr unangenehm. Das muss nicht sein. Wir sprachen mit dem Dermatologen Dr. Felix Bertram über Gründe und Lösungen.

WAS VERURSACHT DIE SPÄTE AKNE?

Man vermutet, dass die sogenannte Akne tarda durch vier mögliche Faktoren verursacht wird: hormonelle Veränderungen zum Beispiel durch Zyklusstörungen, die Pille oder auch deren Absetzen, das Eintreten der Wechseljahre. Auch falscher Lifestyle mit viel Stress, Nikotin und ungesunder Ernährung spielt eine Rolle. Außerdem eine nicht typgerechte Hautpflege sowie bestimmte Medikamente.

WIESO FÜHRT FALSCHE PFLEGE ZU UNREINHEITEN?
Leider wird heute oft das Falsche und zu viel gemacht. Einerseits neigen Frauen dazu, eine zu fettige Pflege zu verwenden, was die Haut überfordern kann. Zudem führt der moderne Reinigungs- und Peelingkult dazu, dass sich die oberste Hautschicht mittelfristig ausdünnt und damit ein wichtiger Schutzschild gegen äußere Einflüsse fehlt. Last, but not least enthalten viele Pflegeprodukte sogenannte komedogene Inhaltsstoffe. Das können Öle, Silikone oder gewisse Konservierungsstoffe sein, die die Bildung einer Akne fördern können.

WIE MUSS GEPFLEGT WERDEN, DAMIT PICKEL ERST GAR NICHT ENTSTEHEN?
Wichtig ist, das richtige Niveau an Reichhaltigkeit herauszufinden. Wenn ich nicht spürbar unter klaren Anzeichen einer trockenen Haut leide, brauche ich keine fettende Creme. Zumindest nicht täglich. Ich empfehle meinen Patientinnen, möglichst mit einer fettfreien, beziehungsweise fettarmen Hautpflege zu beginnen, einem Serum oder einer sehr leichten Creme. Wer tatsächlich Symptome einer trockenen Haut hat, sollte sich langsam an das richtige Niveau herantasten. Mit einer leichten Creme beginnen und, wenn diese nicht ausreicht, Schritt für Schritt eine Stufe reichhaltiger werden. Die Haut sollte keine Anzeichen von Trockenheit zeigen, aber auch keinen öligen Fettfilm. Viele Kosmetikfirmen bieten Moisturizer in diversen Reichhaltigkeitsstufen.

DIE PICKEL BLÜHEN BEREITS. WAS KANN ICH JETZT TUN?
Zunächst einmal sollte man die Ursache finden und dazu am besten einen Dermatologen konsultieren. Dann kann die richtige Therapie zum Beispiel mit Vitamin-A- oder Fruchtsäuren oder Antibiotika eingeleitet werden. Als Tipp für zu Hause empfehle ich Reinigungs- und Pflegeprodukte gegen unreine reife Haut. Außerdem sollte man fettende Pflegeprodukte zumindest in den von der Akne betroffenen Bereichen absetzen. Das ist bei erwachsenen Frauen meist der Kinn-, Wangen- und Halsbereich. Alternativ zur Creme kann ein leichtes Serum oder eine Lotion helfen. Als entzündungshemmende Sofortmassnahme sind Schwarztee-Umschläge wirksam: Tee kochen, abkühlen lassen und ein damit getränktes Vlies für 15 Minuten auf die betroffenen Areale legen.

SIND PEELINGS ERLAUBT? WENN JA, WELCHE SIND AM BESTEN?
In der richtigen Zusammensetzung und Dosierung können sie helfen, die Poren zu öffnen und abgestorbene Hautzellen zu entfernen. Andererseits führt die zu häufige Anwendung von Peelings zur Ausdünnung der obersten Hautschicht, was wiederum neue Probleme mit sich bringt. Mein Motto: Die Dosis macht’s! Bei einer Akne empfehle ich am ehesten ein mildes Enzympeeling oder ein Fruchtsäurepeeling, eventuell auch Salicylsäure als Reinigung. Für alle Peelings gilt, dass sie in der Regel nicht mehr als zweimal pro Woche angewendet werden sollten. Ausnahmen gelten für Menschen mit einer extrem fettigen und öligen Haut.

HILFT DIE RICHTIGE ERNÄHRUNG?
Als alleinige Maßnahme ganz sicher nicht. Aber ich kann durch entsprechende Nahrung die Qualität meiner Haut positiv beeinflussen. Es ist zum Beispiel ratsam, auf komedogene Öle möglichst zu verzichten. Auch Milchprodukte und hoch ausgemahlenes Getreide sollte man meiden, weil sie Entzündungen fördern. Im Gegenzug empfehlen sich Lebensmittel, die reich an Antioxidantien und Vitamin A sind.